Die Musikbranche meint es offenbar ernst im Streit mit den ISPs

28 01 2008

Die Musikindustrie bläst zum Gefecht gegen Internetanbieter. Auf der Midem wurde die Forderung nach mehr Verantwortung der ISPs im Kampf gegen Onlinepiraterie ganz oben auf die Agenda für 2008 gesetzt. Was IFPI-Chef John Kennedy schon seit Jahren predigt und worauf er zuletzt bei der Vorstellung des Digital Music Report seines Verbandes wieder hingewiesen hat, fand an der Croisette ein lautes Echo: Internet Service Provider haben nach Ansicht der Musikbranche eine Verpflichtung, den illegalen Datentransfer über ihre Netze zu unterbinden.
Besonders die Haltung der französischen Regierung wird dabei immer wieder exemplarisch genannt: Präsident Nicolas Sarkozy will, dass wiederholt überführten Filesharern der Internetzugang gesperrt wird. Die Regierungen Europas sollten dieses Modell schnellstmöglich übernehmen, so Kennedy.Einen prominenten Fürsprecher für diese Position fand die IFPI nun in Paul McGuinness, den Manager von U2 und P.J. Harvey.
In seiner Midem-Keynote sagte McGuinness, die ISPs zerstörten die Musikindustrie mit ihrer laxen Haltung gegenüber ihren filesharenden Nutzern. Die Technologiefirmen des Silicon Valley „mit ihren Hippie-Werten“ und ihrer „Geringschätzung für den wahren Wert von Musik“ hätten nun lange genug auf dem Rücken der Urheber von Onlinepiraterie profitiert. „Ich schlage vor, den moralischen Druck auf individuelle P2P-Diebe zu lockern und ihn statt dessen gegenüber diesen Multimilliarden-Dollar-Industrien aufzubauen“, so McGuinness in Cannes.Die ISPs könnten sich nicht länger aus ihrer Verantwortung stehlen, indem sie sich ausschließlich als Anbieter einer Infrastruktur bezeichnen. McGuinness verglich die Netzbetreiber mit Verlegern, die in ihren Publikationen Anzeigen für gestohlene Autos drucken und zugleich die Bezahlung und die Übergabe des Diebesguts koordinieren. Technolgiefirmen vergäßen nur zu gerne, dass die „Killer Application“ meist die Musik an sich sei. Daher verlangte McGuiness von den ISPs zweierlei: „Erstens, übernehmen Sie die Verantwortung für die Musik, die sie vertrieben. Und zweitens, beteiligen Sie die Urheber und Rechteinhaber an Ihren enormen Umsätzen.“ Die Reaktion auf diese Breitseite wird nicht lange auf sich warten lassen.